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„Ein geborener Seelsorger“: Domkapitular Straßer auf dem Domfriedhof beigesetzt

Nach: Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 36, 8. Oktober 1997

Im Trauergottesdienst für den am 27. September verstorbenen Domkapitular Dr. Ernst Straßer, hat Bischof Dr. Karl Lehmann am Donnerstag, 2. Oktober, im Mainzer Dom die Verdienste dieses großen Seelsorgers gewürdigt und seinen Weitblick und seine Menschlichkeit gerühmt. In seiner Predigt im Pontifikalgottesdienst nannte Lehmann den früheren Mainzer Hochschulpfarrer (1946–1957) und Leiter des Bischöflichen Seelsorgeamtes (1957–1975), der 1905 in Darmstadt geboren wurde, einen ungewöhnlichen Mann, dem ein großes und weites Spektrum von Gaben des Geistes, des Gemütes und der Willenskraft geschenkt wurde.

Der im 93. Lebensjahr und im 70. Jahr seines priesterlichen Lebens von Gott Heimgerufene, war nach den Worten Lehmanns ein „geborener Seelsorger.“ So sei er den Menschen auf allen schwierigen Wegen gefolgt. Bereits als Kaplan habe er sich für die Arbeitslosen und Armen Offenbachs eingesetzt, und als Pfarrer wdhrend des Krieges und nach 1945 in Mainz-St. Ignaz habe er wie kaum irgendwo die Not der Menschen kennengelernt und geholfen, wo es nur möglich war. Als erster Pfarrer der Hochschulgemeinde an der neu gegründeten Mainzer Universität habe Straßer den oft vom Krieg nach Hause kommenden Studierenden dieser Jahre Mut zugesprochen und ihnen unter die Arme gegriffen. Fast 20 Jahre leitete Straßer das Bischöfliche Seelsorgeamt, das er, wie Lehmann unterstrich, mit seinen vielen verzweigten Aufgaben aufbaute und leitete. Er habe bis heute „gute Spuren gelegt, sparsam und gezielt, erfahren, sensibel und aufgeschlossen.“

Nach den Worten des Bischofs war Straßer ein „Mann der Begegnung mit dem Einzelnen,“ der aber auch weitblickend organisieren und Mitarbeiter wirken lassen konnte und ihnen gegenüber groözügig war „mit unbegangenen, unerprobten Wegen.“ Wörtlich sagte Lehmann: „Er war ja selbst bei aller Treue zur Kirche ein unkonventioneller Hirte, der sich nicht scheute, Dinge beim Namen zu nennen und sich auch auf neue Versuche einlassen konnte.“ So habe er im Bistum sehr früh z.B. die Pax Christi-Bewegung, die Pressearbeit der Kirche und die Betriebsseelsorge gefördert. Für viele Menschen sei Straßer über Jahrzehnte ein verläßlicher Freund, guter Ratgeber und stiller Begleiter gewesen. Darum seien ihm viele Menschen auch dankbar und freundlich zugetan gewesen, wie beim Abschied am Sarg in der Krypta des Domes und beim Pontifikalrequiem sichtbar wurde. „Dankbar stehen wir vor seiner sterblichen Hülle. Wir sagen ein herzliches Vergelt's Gott für ihn und die Menschen seines Zuschnittes, ohne die unsere Kirche die zahlreichen, oft bis zur Verzweiflung reichenden Herausforderungen dieses Jahrhunderts nicht bestanden hätte. Wir danken Gott und seiner Familie für das Geschenk dieses großen Seelsorgers, der so schlicht das verkündete, was er einfach lebte.“ Nach dem Gottesdienst, bei dem die Weihbischöfe Domdekan Wolfgang Rolly und Dr. Franziskus Eisenbach und die Mitglieder des Domkapitels sowie Prälat Hermann Mayer als Konzelebranten mitwirkten, wurde Straßer auf dem Domfriedhof beigesetzt.